Mitteleuropa ist nicht gerade ein El Dorado für Meteoritensucher. Statistisch fallen hierzulande zwar genauso viele Meteoriten vom Himmel wie anderswo – aber die Chance, einst gefallene Steine wiederzufinden, ist ungleich geringer als beispielsweise in der Wüste. Deutschland verzeichnet ganze 46 zweifelsfreie Meteoriten, Österreich 8 und die Schweiz 11.

Meteoriten in Deutschland

Angesichts von intensiver Verwitterung und wuchernder Vegetation sind Zufallsfunde vergleichsweise unwahrscheinlich. Unser regnerisches, wechselwarmes Wetter verändert langfristig das Äußere der Meteoriten bis zur Unkenntlichkeit und zerstört schließlich die Grundsubstanz. Nur 16 der 46 deutschen Meteoriten wurden von Bauern, Steinbruchbetreibern (Obernkirchen) oder anderen Personen zufällig ausgegraben. Die 30 anderen Meteoriten wurden bereits als fliegende Feuerkugel gesichtet, bevor sie glücklicherweise auf sicheres Terrain fielen und schnell geborgen werden konnte. Der schwerste von ihnen war der 1,5 Tonnen wiegende Bitburg-Eisenmeteorit aus dem Jahr 1805.

Die frühesten überlieferten Meteoritenfälle datieren aus dem 16. Jahrhundert, sind aber wissenschaftlich umstritten. Der erste glaubhafte Fall wurde vom 27. Februar 1671 dokumentiert: Im heutigen Ortenaukreis in Baden-Württemberg sei ein „10 Pfund“ schweres Objekt vom Himmel gestürzt, heißt es. Von jenem Steinmeteoriten sind allerdings keine Reste erhalten geblieben. Die Region zwischen Rhein und Schwarzwald scheint übrigens für Meteoriten prädestiniert zu sein, denn am 10. Juli 2018 fiel hier Deutschlands neuster Meteorit nahe der Ortschaft Renchen. Dass sich die Zahl der tatsächlich gefundenen Meteoriten vor allem in Süddeutschland erhöht, ist wohl einem internationalen Beobachtungssystem – dem „Feuerkugelnetzwerk“ – zu verdanken.

Mehr Informationen zu den bekannten Meteoriten Krähenberg (gefallen 1869) und Neuschwanstein (gefallen 2002) lesen Sie auf den entsprechenden Seiten.

Meteoriten in Österreich

In Österreich wird die ohnehin schwierige Meteoritensuche im alpinen Gelände weiter erschwert. Daher ist es kaum überraschend, dass in der Alpenrepublik erst 8 Meteoriten gefunden wurden – den Neuschwanstein-Meteoriten, dessen Hauptmasse das nahe Deutschland traf, bereits mitgezählt. Auch der erste verzeichnete Meteorit fiel am 20. November 1768 auf seinerzeit bayerisches Territorium. Allerdings kam der Ort Mauerkirchen später zu Österreich und wird daher als österreichischer Fall gezählt. Wahrscheinlich wog die gefundene Gesamtmasse des gewöhnlichen Chondriten rund 19 Kilogramm. Der Stein sei knapp einen Schuh lang und sechs Zoll breit gewesen, berichteten Augenzeugen. Etliche Bruchstücke des historischen Mauerkirchen-Meteoriten finden sich noch heute in verschiedenen Museen.

Meteoriten in der Schweiz

Ähnlich übersichtlich wie in Österreich ist die Meteoritenliste der Schweiz. 11 glaubhafte Fälle sind in der Statistik verzeichnet. Den Anfang machte der Rafrüti-Eisenmeteorit aus den Emmentaler Alpen. 18,8 Kilogramm wog der 1886 gefallene Stein, der sich im Übrigen durch einen besonders geringen Gehalt an dem Metall Iridium auszeichnet. An Gewicht übertroffen wurde er erst durch den 1984 entdeckten Twannberg-Meteoriten. Zu diesem Eisenmeteoriten, der rund 72 Kilogramm wog, finden Sie hier weitere Informationen.

Der „Chiemgau-Einschlag“

Seit Anfang unseres Jahrtausends schwelt im Südosten Bayerns ein Konflikt zwischen (Amateur-)Forschern und anderen Wissenschaftlern um den sogenannten „Chiemgau-Einschlag“. Die regionale Forschergruppe will in der Nähe des Chiemsees zahlreiche Hinweise darauf entdeckt haben, dass dort vor mehr als 2000 Jahren ein großer Meteorit abgestürzt sein soll. Nach ihrer Theorie ist der Chiemsee-Meteorit auch für zahlreiche kraterähnliche Strukturen verantwortlich, in denen sich Seen gesammelt haben. Die meisten Wissenschaftler lehnen diese Außenseiter-Theorie allerdings ab und deuten ungewöhnliche Oberflächenerscheinungen im Chiemgau als „Toteislöcher“ oder andere eiszeitliche Phänomene.

Meteoriten in Deutschland, Österreich und der Schweiz