Achondrite bilden unter den Steinmeteoriten das Gegenstück zu den Chondriten. Ihr Name leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet, dass ihnen die „Chondren“ genannten Silikatkugeln fehlen. Dies ist aber mehr als ein kleiner struktureller Unterschied, sondern verweist auf eine gänzlich unterschiedliche – nämlich vulkanische – Entstehungsgeschichte. Achondrite verhalten sich zu Chondriten in etwa so, wie Basalt zu Sandstein.

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Camel Donga – Eukrit aus Australien

Da Achondrite aus außerirdischer Magma, oder wenigstens aus angeschmolzenem Gestein bestehen, lassen sich mit ihrer Hilfe Aussagen über ihre Mutterkörper treffen: Auf differenzierten Himmelskörpern mit Mantel und metallischem Kern, die Achondrite bilden konnten, muss es im Umkehrschluss phasenweise einen Vulkanismus gegeben haben. Und das datierbare Alter der Achondrite gibt Hinweise dazu, bis zu welchem Zeitpunkt dieser Vulkanismus wenigstens bestanden haben muss. Dies betrifft vor allem Mond- und Marsmeteoriten, aber auch Steine, die ihren Ursprung auf dem großen Asteroiden Vesta haben. So lassen viele Marsmeteoriten die überraschende Schlussfolgerung zu, dass der Mars noch vor wenigen Hundert Millionen Jahren heiß genug für vulkanische Aktivitäten war.

Auch wenn sie ursprünglich aus Magma entstanden, darf man sich Achondrite keinesfalls als gleichförmig erstarrte Massen vorstellen. Viele dieser Steinmeteoriten sind sogenannte Brekzien, die sich aus unterschiedlichen (vulkanischen) Gesteinsbruchstücken zusammensetzen.

Achondrite – sieben Untergruppen

Innerhalb der Achondrite verästelt sich die wissenschaftliche Meteoriten-Systematik bis in kleinste Zweige:

  • HED-Gruppe: Diogenite, Eukrite, Howardite
  • SNC-Gruppe (Marsmeteoriten): Chassignite, Nakhlite, Orthopyroxenite, Shergottite
  • Lunaite (Mondmeteoriten)
  • Primitive Achondrite: Acapulcoite, Brachinite, Lodranite, Winonaite
  • Angrite
  • Aubrite
  • Ureilite (oft auch als primitive Achondrite klassifiziert)
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Howardit NWA 11167 – Achondrit der HED-Gruppe

HED am häufigsten

Relativ am häufigsten ist die HED-Gruppe anzutreffen, die sich wiederum in drei Untergruppen aufgliedert. Die übrigen Gruppen sind außerordentlich selten. Hinzu kommen – wie auch bei anderen Meteoritenklassen – etliche Stücke, die sich kaum in dieses System einordnen lassen, sondern Ausnahmen und Übergangszustände zwischen zwei Typen repräsentieren. Insgesamt machen Achondrite nur rund acht Prozent aller auf die Erde fallenden Meteoriten aus.

Solche statistischen Werte lassen sich übrigens am besten anhand der Antarktis-Funde ermitteln. Die aus dem ewigen Eis geborgenen Meteoriten waren teilweise über Jahrmillionen konserviert, weder der Verwitterung noch der menschlichen Sammeltätigkeit (Meteoriteneisen für antiken Schmuck) ausgesetzt. Die in der Antarktis festgestellte Verteilung sollte daher recht gut den tatsächlichen Fallraten auf der ganzen Erde entsprechen.

Achondrite: kosmisches Vulkangestein