Marsmeteoriten sind sogar noch seltener als Mondmeteoriten. Kaum mehr als 200 Meteoriten von unserem Nachbarplaneten wurden bisher gefunden. Der Entstehungsprozess von Mars- und Mondmeteoriten war nach heutigen Erkenntnissen beinahe identisch: Verschiedene Kollisionen mit Asteroiden schleuderten Gesteinstrümmer vom Mars ins Weltall. Jahrmillionen später gerieten die Bruchstücke ins Gravitationsfeld der Erde und fielen als Meteoriten zu Boden.

Ihre Herkunft vom Mars verraten die Meteoriten unter anderem durch Analysen von Gaseinschlüssen im Gestein und durch einen Datenabgleich mit der Opportunity-Marsmission. Obwohl alle Marsmeteoriten zur Klasse der Achondriten zählen, also aus vulkanischem Gestein bestehen, weisen sie im Detail deutliche Unterschiede auf. Neben einigen noch ungeklärten Fällen lassen sich die meisten Marsmeteoriten den drei Typen Shergottite, Nakhtalite und Chassignite zuordnen (deren Anfangsbuchstaben das Kürzel der sogenannten SNC-Gruppe bilden).

marsmeteorit
Marsmeteorit (Shergottit) in Präsentationsbox

Shergottite

Rund drei Viertel aller Marsmeteoriten gelten als „Shergottit“ – benannt nach dem indischen Ort Shergotty, bei dem im Jahr 1865 ein Meteorit dieses Typs einschlug. Ihre Kennzeichen sind durch Asteroidenkollision entstandene Glaskörper sowie ein hoher Eisen- und Magnesiumgehalt („mafisch“). Um das Kristallisationsalter (den Zeitpunkt, als die Shergottite aus der Mars-Lava erstarrten) dreht sich eine wissenschaftliche Diskussion. Manche Daten scheinen nämlich nahezulegen, dass die Shergottite erst wenige Hundert Millionen Jahre alt sind. Das wäre ein erstaunlicher Befund, denn er würde auf eine lang andauernde vulkanische Aktivität auf dem Mars hindeuten. Möglicherweise stammen alle – oder doch zumindest einige – Marsmeteoriten vom sogenannten Mojave-Krater.

Nakhlite

Dieser Meteoritentypus, der nochmals deutlich seltener als die Shergottite ist, wurde nach dem ägyptischen Ort Nakhla benannt. 1911 fiel dort ein 10 Kilogramm schwerer Nakhlit vom Himmel. Die Geschichte dieser Meteoriten ist vergleichsweise gut geklärt: Die Nakhlite entstanden wohl vor 1,4 Milliarden Jahren beim Tharsis-Vulkanplateau und wurden vor 10,75 Millionen Jahren von ihrem Mutterkörper Mars getrennt. Ihr Grundbaustein ist Basalt – und vor etwa 620 Millionen Jahren mussten sie Kontakt mit flüssigem Wasser gehabt haben. Auf dieser Weise erbringen die Nakhlite einen indirekten Wassernachweis für den „roten Planeten“.

Chassignite

Noch spezieller sind die Chassignite, von denen bislang ganze zwei Exemplare gefunden wurden. Namensgebend ist der Chassigny-Meteorit, der 1815 in Frankreich gefallen ist. Wie die Nakhlite müssen auch die Chassignite mit Wasser in Berührung gekommen sein. Ein sichtbares Kennzeichen dieser braun-grünen Meteoriten ist insbesondere das Mineral Olivin.

Orthopyroxenit und Basaltbrekzie

Aber der Mars hat sogar noch selteneres Material Richtung Erde entlassen. Der eine Meteorit heißt mit offiziellem Namen NWA 7034, wurde aber von der internationalen Presse mit dem Spitznamen „Black Beauty“ geschmückt. Er ist immerhin gut zwei Milliarden alt besteht vor allem aus kleinen Bruchstücken von Vulkangestein, das irdischem Basalt ähnelt. Außerdem beinhaltet diese „Basaltbrekzie“ einen außergewöhnlich hohen Wasseranteil.

Der womöglich größte Exot unter allen Meteoriten heißt ALH 84001. Er steht im Verdacht Spuren außerirdischen Lebens in sich zu tragen und ist insgesamt so außergewöhnlich, dass wir ihm einen eigenen Artikel widmen. Laut wissenschaftlicher Systematik ist er bislang der einzige entdeckte Vertreter der Orthopyroxenite.

Echtes Marsgestein kaufen

Der Mars ist – nach allem, was wir wissen – der einzige Planet, von dem Gestein auf unserer Erde existiert. Und da noch keine Mars-Sonde mit einer Gesteinsprobe zurückgekommen ist, sind Marsmeteoriten die einzige „Quelle“ für dieses einzigartige Material. Um Marsmeteoriten dennoch erschwinglich zu machen, verkaufen Händler das Gestein in kleinsten Fragmenten, sogenannten Micromounts.

Übrigens: Gelegentlich sind angebliche Proben eines Merkurmeteoriten im Handel. Der Schönheitsfehler dabei ist, dass dieses Gestein tatsächlich außergewöhnliche Eigenschaften besitzt, aber nach aktuellen Erkenntnissen wohl doch von einem Asteroiden und nicht vom sonnennächsten Planeten Merkur stammt.

Marsmeteorit (SNC-Gruppe)