Der Asteroid Vesta ist der drittgrößte Körper im Asteroidengürtel – und er ist die vermutliche Heimat zahlreicher Meteoriten. Insbesondere die HED-Gruppe wird der gut 500 Kilometer großen Vesta zugerechnet. Unter der Bezeichnung HED sind drei Meteoritentypen zusammengefasst, die allesamt zu den Achondriten zählen: die Howardite, Eukrite und Diogenite.

Wie die Meteoriten von Vesta kamen

Wahrscheinlich ist die Herkunft dieser Meteoriten ebenso kompliziert und verwickelt wie die Geschichte von Vesta selbst: Nach seiner Entstehung vor rund 4,5 Milliarden Jahren entwickelte der große Asteroid einen Eisen-Nickel-Kern, umhüllt von vulkanischem Material in Mantel und Kruste. Es entstand etwas, das Geologen einen differenzierten Körper nennen. Bereits nach rund 150 Millionen Jahren war Vesta aber so weit abgekühlt, dass die kurze vulkanische Phase zu Ende ging. Gestein und Eisenkern begannen damit, extrem langsam zu erstarren. Irgendwann später erlitt Vesta eine gewaltige Kollision, die einen 450 Kilometer großen Krater riss – der also erhebliche Teile des Asteroiden umspannt. Bei dieser Katastrophe wurden zahlreiche kleine und mittelgroße Körper aus Vesta herausgeschlagen und von der Wissenschaft „Vestoiden“ getauft. Ob die HEDs nun direkt von Vesta stammen oder Abkömmlinge der Vestoiden sind, weiß niemand.

Der Krater auf Vesta war so gewaltig (und die Anziehungskraft des Asteroiden gleichzeitig so gering), dass sogar Material aus seinen tiefen Schichten in den Weltraum gelangte. Je nachdem, aus welcher Tiefe die Meteoriten stammen, weisen sie nun verschiedene Eigenschaften aus – und bilden die uns bekannten Typen.

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Tatahouine: Diogenit aus Tunesien

Eukrite

Die Eukrite sind verhältnismäßig häufig und beziehen ihre Substanz aus der Kruste von Vesta. Sie bestehen aus kristallisierter Lava, ähneln in ihrer Zusammensetzung den Basaltgesteinen unserer Erde und werden in zahlreichen Sub-Typen unterschieden. Manche von ihnen (wie der australische Millbillillie-Meteorit), sind mit dem Material tieferer Vesta-Schichten vermischt, während andere (wie der ebenfalls australische Camel Donga) aus einheitlicherer Substanz bestehen.

Diogenite

Die Diogenite zeichnen sich durch größere Kristalle als die Eukrite aus. Der Grund ist ihre Herkunft aus unterirdischen Magmakammern auf Vesta. Dort konnten die charakteristischen Pyroxen-Kristalle langsam wachsen. Vermutlich stammen sie aus größeren Tiefen als die Eukrite, allerdings deuten sich Wechselwirkungen zwischen beiden Achondriten an, die noch nicht völlig geklärt sind. Ein bekannter Vertreter der Diogenite ist der Meteorit Tatahouine, der 1931 in Tunesien fiel und dabei in zahllose Stücke zerbrach. Bei Sammlern ist Tatahouine für seine ungewöhnlich großen, grünen Kristalle beliebt.

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Howardit NWA 11167

Howardite

Die Howardite sind typische Regolithen: eine chaotisch wirkende Mischung (Brekzie) von vulkanischen Gesteinstrümmern, die sich auf der Asteroiden-Oberfläche angesammelt und verfestigt haben. In Howarditen finden sich Reste von Eukriten, Diogeniten und sogar Chondren. Benannt sind diese Steinmeteoriten nach Edward Charles Howard, einem britischen Meteoritenforscher des 18. und 19. Jahrhunderts. Im Vergleich zu anderen Meteoriten zeigen viele Howardit-Scheiben eine recht helle Grundmasse, in der dunklere Gesteinsstückchen mit bloßen Auge gut zu erkennen sind.

Howardite, Eukrite und Diogenite (HED-Gruppe)