Wie bei kaum einem anderen Fund ist die Erforschung des Imilac-Meteoriten voller Ungereimtheiten. Heute nimmt man 1822 als Entdeckungsjahr des bei Sammlern begehrten Pallasiten an. Ganz gesichert ist dieses Datum aber nicht – und in eurozentrischer Sichtweise vernachlässigt es die indigene Bevölkerung, die wohl seit Jahrhunderten aus dem Meteoriteneisen nützliche Gegenstände herstellte. Von den früheren „Indianern“ abgesehen, reklamierten mehrere Chilenen den Fund für sich. Unter ihnen war der einheimische Jäger José María Chaile, der den Meteoriten anfangs wohl für einen Silberfund hielt und daher guten Grund sah, den genauen Fundort geheim zu halten.

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Imilac Schrapnell (Chile)

Die Spanier, bis 1818 Kolonialherren von Chile, waren ihrerseits sehr an den Steinen interessierten – mochten sie ein Meteorit oder auch Silber sein. Allerdings scheuten Spanier und andere Europäer eine Expedition in die heiße und trockene Atacama-Wüste auf mehr als 3000 Metern Höhe. Lieber überließen sie die Suche nach den eisenhaltigen Steinen den Einheimischen.

Entdeckungen mit großen Pausen

1825 gelangten zwei Meteoritenfragmente über Buenos Aires nach Großbritannien, wo sie analysiert und als Pallasite erkannt wurden. 1854 konnte endlich ein Forscher das Streufeld des Imilac-Meteoriten in Chile untersuchen und dann – passierte über Hundert Jahre gar nichts mehr. Erst seit den 1970er-Jahren versuchten Wissenschaftler mit modernen Methoden mehr über Imilac herauszufinden. Zwar ist das bekannte Fundgebiet wohl weitgehend abgesucht, andererseits wurden neue Areale mit zahllosen Meteoritensplittern ausgemacht. Die Zahl der Einzelteile könnte sich auf mehrere Zehntausend addieren, die Gesamtmasse über eine Tonne betragen.

Eigenwillig geformte Pallasite

Schon von außen sieht man den Imilac-Fragmenten die gewaltigen Kräfte an, unter denen der Meteorit in der Luft zerborsten ist und anschließend hart auf dem Wüstenboden aufschlug. Die meisten „Individuen“ besitzen skurrile, als Schrapnell bezeichnete Formen. Im Inneren zeigt Imilac dieselbe Struktur, die Sammler an allen Pallasiten schätzen: gelblich-grüne Olivine, die in glänzendem Eisen-Nickel-Metall eingebettet sind. Allerdings sind die Olivine nur in größeren Imilac-Scheiben unverwittert und in ursprünglicher Pracht. Bei kleinen Stücken können die Olivine sogar völlig fehlen. Die geschätzten 500 Jahre seit dem Meteoritenfall in der Atacama-Wüste haben eben doch Spuren hinterlassen.

Imilac (Chile)