Fallen Meteoriten auf die Erdoberfläche, hinterlassen sie eine Art von „Scherbenhaufen“: eine oftmals weit gestreute Ansammlung verschieden großer und unterschiedlich geformter Trümmerteile (Streufeld). In den meisten Fällen können Fachleute schon anhand von Äußerlichkeiten erahnen, welches Schicksal dem fallenden Meteoriten widerfahren ist. Verschiedene Bezeichnungen dienen dazu, die gefundenen Objekte grob einzuordnen.

Hauptmasse

Dies ist – salopp gesprochen – der größte, in der Regel zuerst gefundene Brocken. Auch die Hauptmasse ist natürlich nur ein kleiner Teil des ursprünglichen, in die Erdatmosphäre eingedrungenen Meteoriten. Das meiste Material wurde bereits in der Luft pulverisiert oder in Energie umgewandelt, lange bevor es den Boden hätte erreichen können.

Die Hauptmasse ist also das größte auffindbare Teil von dem, was übrig blieb. Dies können bei kleinen Meteoriten wenige Gramm sein, bei anderen dagegen (wie dem argentinischen Campo del Cielo) viele Tonnen. In Ausnahmenfällen kann es passieren, dass die vermutete Hauptmasse gar nicht gefunden wird.

nwa 869
Individuum des weit verbreiteten Steinmeteoriten NWA 869

Individuum

Unter einem Individuum (englisch „Individual“) wird in der Regel ein vollständig aussehender Meteoritenkörper verstanden, dessen Oberfläche mindestens 85 Prozent Schmelzkruste aufweist. Dabei handelt es sich aber in vielen Fällen um Bruchstücke, die beim Zerplatzen des ursprünglichen Meteoriten entstanden. Sie verdienen sich die Bezeichnung als Individuum dadurch, dass sie eigenständig durch die Atmosphäre gefallen sind und dabei eine eigene (sekundäre) Schmelzkruste ausbilden konnten.

Fragment und Meteoriten-Splitter

Ein Fragment entsteht zum Beispiel dadurch, dass ein Individuum beim Aufprall auf der Erde in einige Teile zerbrochen ist oder dadurch, dass ein Meteorit von Menschenhand zerteilt wurde. Daher ist seine Schmelzkruste höchstens teilweise erhalten geblieben. Im Einzelfall ist die Unterscheidung zwischen Fragment und Individuum nicht immer ganz einfach. Bei manchen Meteoriten wie dem Tatahouine aus Tunesien wurden fast ausschließlich Fragmente ohne eigene Schmelzkruste gefunden.

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Fragment von Sikhote-Alin (stark vergrößert)

Einige seltene und teure Meteoriten wurden von ihren Eigentümern in unzählige Fragmente geteilt, um den Verkauf zu erleichtern. Dies betrifft vor allem die Mars- und Mondmeteoriten, die in kleinsten Bröckchen von wenigen Milligramm im Handel sind. Als Meteoriten-Splitter oder Micromounts werden besonders kleine Fragmente bezeichnet.

Beliebte Spezialformen eines Fragments sind Endstücke mit teilweise erhaltener Schmelzkruste sowie polierte Scheiben, die einen Blick in die innere Struktur des Meteoriten ermöglichen sollen.

Hauptmasse, Individuum oder Fragment