Frisch gefallene, völlig unbeschädigte Meteoriten sind ganz von einer dünnen, meist dunkelbraunen bis schwarzen Schmelzkruste (englisch „fusion crust“) umhüllt. Diese weniger als einen Millimeter dünne Schicht entsteht, nachdem der Meteorit mit manchmal über 40.000 Stundenkilometern in die oberen Schichten der Erdatmosphäre eingedrungen ist: Aufgrund der Luftreibung und Luftionisierung ab 90 Kilometern Höhe erhitzt sich das Gestein äußerlich so stark, dass es zu glühen beginnt und oberflächlich anschmilzt. Im weiteren Fall wird der Meteorit deutlich langsamer, durchquert kalte Luftschichten und kühlt sich im Fluge erheblich ab.

Im Inneren bleibt die Substanz des Meteoriten gefroren (aufgrund des Weltraumaufenthalts) und strukturell unverändert. Der kurze Schmelzprozess, bei dem sich auch die sogenannten Regmaglypten bilden, betrifft nur die Oberfläche.

unklassifizierter Meteorit
Unklassifizierter Steinmeteorit mit Schmelzkruste und Regmaglypten

Erkennungsmerkmal Schmelzkruste

Die Schmelzkruste besteht also aus dem geschmolzenen Ausgangsgestein – und unterscheidet sich im Detail von Meteorit zu Meteorit. Während Achondrite eine glasartig glänzende Oberfläche bekommen können, zeigen andere Steinmeteoriten eine raue, die häufigen Eisenmeteoriten dagegen eine besonders dünne, samtig-matte Kruste. Neben den schwarz-braunen Ausprägungen kommen vereinzelt auch durchsichtige und farbige Krusten vor.

Auch wenn die Schmelzkrusten Unterschiede aufweisen und zudem Verwechselungen mit anderen Gesteinsoberflächen möglich sind, bleiben sie ein wichtiges Erkennungsmerkmal für die Echtheit eines Meteoriten. Außerdem gilt die „Kruste“, deren Vollständigkeit gerne in Prozentwerten angegeben wird, bei Händlern als wertsteigendes Attribut.

steinmeteorit nwa 001
Steinmeteorit NWA 001 mit Wüstenlack

Verwitterung und Wüstenlack

Nachdem ein Meteorit, abgelöst vom Mutterkörper, oft viele Jahrmillionen unverändert durchs Weltall getrieben ist, bedroht seine (vergleichsweise) extrem kurze irdische Zeitspanne seine ganze Existenz: Er wird in der Atmosphäre aufgerieben, zerbricht wahrscheinlich in Einzelteile, worauf die Trümmer vielleicht eine zweite Schmelzkruste (Sekundärkruste) bilden und am Ende hart auf dem Erdboden aufschlagen. Was dann von dem einst mächtigen Meteoriten übrig blieb, ist augenblicklich der Verwitterung ausgesetzt. Vor allem in feuchten und wechselwarmen Klimazonen zersetzen sich die Steinmeteoriten binnen weniger Jahrzehnte von außen – wobei als erstes die optisch reizvolle Schmelzkruste angegriffen und zerstört wird.

Im Wüstenklima überdauern Meteoriten generell wesentlich längere Zeiträume, da die Verwitterung viel weniger intensiv ist. Eine weit verbreitete Erscheinung ist allerdings der sogenannte Wüstenlack, der eigentlich – um die Verwirrung komplett zu machen – zwei unterschiedliche Phänomene bezeichnet: einerseits werden frei liegende Steine von windgepeitschten Sandkörnern angegriffen und oberflächlich poliert; andererseits setzt sich auf vielen Steinen eine bräunliche Schicht aus Eisen, Mangan und Tonmineralen ab.

Für Laien ist es außerordentlich schwer, gerade bei Wüstenfunden primäre und sekundäre Schmelzkrusten, Windschliff und Wüstenlack voneinander zu unterscheiden. So mancher vorgeblicher Meteorit ist leider nur ein gewöhnlicher, von einer Wüstenpatina überkrusteter Sandstein.

Schmelzkruste oder Wüstenlack