Die häufigste Gruppe der Eisenmeteoriten sind die Oktaedrite. Ihr Name leitet sich aus ihrer inneren Struktur ab, die aus Oktaedern besteht, die wiederum von den Eisen-Nickel-Mineralen Taenit und Kamacit gebildet werden. Ein Oktaeder ist eine geometrische Form aus acht Dreiecken, die aussieht wie zwei Pyramiden, die an ihren Grundseiten aneinandergesetzt wurden.

Wie kein anderer Meteoritentyp besitzen die Oktaedrite ein unverwechselbares Erkennungszeichen: die Widmanstättten-Struktur. Mehr über dieses Linienmuster, das auf der Oberfläche von zerschnittenen, polierten und mit Salpetersäure geätzten Meteoriten erscheint, lesen Sie in diesem Beitrag. Da viele Menschen die Widmanstätten-Struktur optisch reizvoll finden, werden Oktaedrite besonders gerne zu Schmuckstücken verarbeitet.

Chemische Zusammensetzung

So wie alle Eisenmeteoriten müssten auch die Oktaedrite eigentlich „Eisen-Nickel-Meteoriten“ heißen, denn das sind ihre wichtigsten chemischen Bestandteile – Eisen und Nickel. Dabei liegt das dominierende Eisen in verschiedenen Verbindungen vor: mit Nickel als Kamacit oder Taenit; mit Kohlenstoff als Cohenit; mit Phosphor und Nickel als Schreibersit; und leider allzu oft mit Sauerstoff als profaner, meteoritenzersetzender Rost.

oktaedrit
Seymchan ohne Olivine: Oktaedrit mit Widmanstätten-Struktur

Von fein bis grob

Nach dem optischen Erscheinungsbild der Widmanstätten-Struktur, die indirekt vom Nickelgehalt abhängt, werden die Oktaedrite in fünf Gruppen eingeteilt: von den „Gröbsten Oktaedriten“ mit wenig Nickel bis zu den „Feinsten Oktaedriten“ mit viel Nickel. Die „plessitischen Oktaedrite“ definieren einen Übergangsbereich zu den weitgehend strukturlosen Ataxiten. Diese Unterschiede zwischen feinen und groben Strukturen kann man übrigens mit bloßem Auge auseinander halten.

Eisenmeteoriten ohne Widmanstätten-Struktur werden entweder den Hexaedriten oder den Ataxiten zugerechnet. Welcher der drei Grundtypen von Eisenmeteoriten entsteht, wenn die metallhaltige Schmelze in einem Asteroiden erkaltet und schließlich Kristalle bildet, hängt vor allem von ihrer Temperatur und ihrem Nickelgehalt ab. Oktaedrite können sich herausbilden, wenn das Metall zwischen 5 und maximal 18 Prozent Nickel enthält und daher bei rund 600 bis fast 800 Grad auskristallisiert.

Richtig verwirrend wird es aber, wenn die Eisenmeteoriten in 16 Untergruppen chemisch klassifiziert werden, die nur teilweise mit den strukturellen Unterscheidungen korrespondieren…

Bekannte Meteoriten

Zur großen Gruppe der Oktaedriten zählen viele bekannte Meteoriten. Einige von ihnen haben eine sehr große Masse (oft viele Tonnen) und finden sich daher zu günstigen Preisen bei den meisten Meteoritenhändlern. Nach Masse sortierte Beispiele: Cape York (Grönland; mittlerer Oktaedrit), Campo del Cielo (Argentinien; grober Oktaedrit), Canyon Diablo (USA; grob), Gibeon (Namibia; fein), Sikhote-Alin (Russland; grob), Nantan (China; grob), Muonionalusta (Schweden; fein)

Oktaedrite