Nicht nur in den afrikanischen und arabischen Wüsten, sondern auch in Australien haben sich Meteoriten außergewöhnlich gut erhalten. Eine Besonderheit stellt der Henbury-Meteorit dar, weil seine Tausenden von Fragmenten in einem kleinen Kraterfeld gefunden wurden. Ein gutes Dutzend Krater erstrecken sich in der fast menschenleeren Umgebung Zentralaustraliens, südwestlich von Alice Springs. Heute steht das gesamte Kraterfeld unter Naturschutz, sodass das Meteoritensammeln verboten ist. Statt Meteoritenjägern kommen aber gerne Touristen auf Stippvisite. Hauptattraktion der Gegend ist nämlich der weltberühmte Ayers Rock (Uluru).

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Henbury Individuum (Australien)

Heiligtum mit langer Geschichte

Die ansässigen Ureinwohner, die Aborigines, kennen die Henbury-Krater vermutlich seit alters her. Bei ihnen sollen die Krater den Namen „Chindu chinna waru chingi yaku“ tragen, der auf ein feuriges Himmelsereignis hindeuten könnte. Ob sich in den Überlieferungen der Aborigines tatsächlich ein Meteoritenfall widerspiegelt, ist unklar, zumal der Fall des Henbury-Eisenmeteoriten nach wissenschaftlicher Einschätzung rund 4000 Jahre zurückliegen dürfte. Allerdings ist auch diese Datierung mit hohen Unsicherheiten behaftet. Jedenfalls befindet sich an diesem Ort ein anerkanntes Heiligtum der Ureinwohner.

Den weißen Australiern ist Henbury – benannt nach einer nahegelegenen Viehstation – wohl seit dem späten 19. Jahrhundert bekannt. Aber erst 1931 wurde die erste Expedition ausgerüstet, um die Krater zu erforschen. Dabei fanden die Wissenschaftler zahlreiche kleine Eisenfragmente, aber auch größere Massen im Boden. Manche Meteoritensplitter waren verbogen (Schrapnelle), andere hatten auf der Oberfläche Regmaglypten ausgebildet. Das Meteoritenmaterial ist heute als Oktaedrit der chemischen Gruppe IIIAB klassifiziert. Wahrscheinlich beträgt die gesamte Fundmasse rund zwei Tonnen, von denen ein Teil noch immer im australischen Boden liegt – und aufgrund des Schutzstatus wohl auch bleiben wird.

Andere australische Funde

Auf dem „fünften Kontinent“ wurden im 19. und 20. Jahrhundert zahlreiche bedeutende Meteoriten entdeckt, zum Beispiel Mundrabilla (Eisenmeteorit; 24 Tonnen; gefunden 2011), Cranbourne (Eisen; 8,6 Tonnen; 1854), Youndegin (Eisen; 3,8 Tonnen; 1884), Huckitta (Pallasit; 2,3 Tonnen; 1924) sowie last but not least das seltene Material von Millbillillie (Eukrit; 330 Kilogramm; 1960), Bencubbin (kohliger Chondrit CB; 118 Kilogramm; 1930), Murchison (kohliger Chondrit CM; 100 Kilogramm; 1969) und Karoonda (namensgebender hohliger CK-Chondrit; 42 Kilogramm; 1930).

Henbury (Australien)