Die schlechte Nachricht zuerst: Im Februar 2016 ist im indischen Ort Tiruchirappalli ein Mensch an den Folgen eines Meteoriteneinschlags gestorben. Der Meteorit fiel dem Mann buchstäblich vor die Füße und verletzte ihn tödlich. Und nun die gute Nachricht: Dies war das allererste verbriefte Todesopfer durch einen Meteoriten. Und es ist unwahrscheinlich, dass in nächster Zukunft weitere Tote zu beklagen sein werden. Alles andere sind unseriöse Untergangs-Prophezeiungen, Hollywood-Spektakel – oder Rechenoperationen mit äußerst geringen Wahrscheinlichkeiten.

Aber was ist mit dem Tunguska-Ereignis, als im Jahr 1908 mindestens 60 Millionen russische Bäume wie Streichhölzer geknickt wurden? Oder mit dem Asteroiden Bennu, von dem es heißt, er sei auf Kollisionskurs mit der Erde? Oder erst recht mit dem Meteoriten, der den Dinosauriern ein Ende bereitete?

Im Prinzip richtig. Und ja: Die Gefahr durch Meteoriten aus dem Weltall ist zwar gering, aber selbstverständlich größer als Null.

Tödliche Meteoriten in der Erdgeschichte

Was wir als Aussterben der Dinosaurier kennen, war in Wahrheit ein noch umfassenderes Ereignis – ein Massenaussterben, dem wohl 75 Prozent der damaligen Arten zum Opfer fielen, und dass den späteren Siegeszug der Säugetiere vorbereitete. Als Verursacher hat die Wissenschaft einen vermutlich 10 Kilometer großen Asteroiden ausgemacht, der vor 65 Millionen Jahren am Rand des heutigen Golfs von Mexiko auf die Erde stürzte und den Chicxulub-Krater schlug. Massenhaft in die Atmosphäre geschleuderte Partikel lösten einen globalen Winter aus, der unzählige Leben und ganze Arten vernichtete. Eventuell kam es fast zeitgleich zu verheerenden Vulkanausbrüchen im heutigen Indien, die den Klimaeffekt noch verstärkten.

Oft wurde spekuliert, ob derartige Einschläge auch für andere Zäsuren – weitere Massenaussterben in der Erdgeschichte – verantwortlich waren. Auch wenn dieser Verdacht nahe liegt, wurden bislang keine Beweise dafür gefunden. Die Menschheit wird höchstwahrscheinlich auf ganz andere Weise aussterben – zum Beispiel durch das fahrlässig veränderte Weltklima.

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Umgestürzte Bäume nach dem Tunguska-Ereignis – historisches Foto (gemeinfrei)

Meteoriten in historischer Zeit

Die Angst des Menschen vor himmlischen Ereignissen hat mythische Wurzeln, wurde aber sicherlich auch von realen Erlebnissen wie Kometensichtungen, Sonnenfinsternissen und Meteoriteneinschlägen gespeist. Je länger diese Beobachtungen vergangen sind, desto schwerer fällt es heute, ihrem Wahrheitsgehalt auf den Grund zu gehen. Allerdings gibt es keinerlei ernst zu nehmenden Hinweise darauf, dass ein Meteoritenfall in historischer Zeit zahlreiche Menschenleben gekostet hätte.

Der dramatischste, sicher dokumentierte Vorfall war das sogenannte Tunguska-Ereignis aus dem Jahr 1908. Zwar ist der Auslöser der gewaltigen Explosionen in der sibirischen Taiga noch immer ungeklärt, aber ein Meteorit zählt zu den heißesten Kandidaten (mehr Informationen lesen Sie hier). Da dieser Teil Russlands kaum besiedelt ist, starben nach heutigen Informationen keine Menschen, sondern nur Bäume. Hätte dasselbe Ereignis allerdings Moskau oder New York getroffen, wäre eine Katastrophe mit Tausenden Opfern perfekt gewesen.

Dass Meteoriten nicht per se ungefährlich sind, zeigt auch der Einschlag von Chelyabinsk (Tscheljabinsk), ebenfalls in Russland. Als der tonnenschwere Steinmeteorit nahe der gleichnamigen Stadt zu Boden fiel, explodierte er in unzählige Teile und verursachte eine Druckwelle, die Fensterscheiben zum Bersten brachte. Rund 1500 Menschen wurden von Glassplittern verletzt.

Asteroiden/Meteoriten auf Kollisionskurs?

Hat die Menschheit angesichts von Tunguska und Chelyabinsk einfach nur Glück gehabt? Ja und nein. Angesichts fortschreitender Besiedlung unseres Planeten steigt die statistische Wahrscheinlichkeit, dass ein großer Meteorit zufällig auf bewohntes Gebiet fällt. Allerdings hat die Beobachtung des umgebenden Weltalls während des Jahrhunderts, das seit Tunguska vergangen ist, erhebliche Fortschritte gemacht. Potenziell gefährliche Himmelskörper werden systematisch erfasst. Leistungsstarke Teleskope und andere Instrumente erfassen auch kleine und außergewöhnlich dunkle Objekte. Und nicht zuletzt lassen sich ihre Bahnen heutzutage recht genau über Jahrhunderte vorausberechnen.

Derzeit sind einige Tausend „Erdbahnkreuzer“ bekannt. Dies sind Objekte, deren Umlaufbahnen um die Sonne auch die Erdbahn kreuzen, was theoretisch zu einem Zusammenstoß führen könnte. Aber nur sehr wenige haben einerseits eine ausreichende Masse und andererseits den passenden Bahnverlauf, um tatsächlich zu einem einschlagenden Meteoriten werden zu können. So kam am 15. Februar 2013 der Asteroid Duende der Erde bis auf knapp 28.000 Kilometer nahe. Aus kosmologischer Perspektive ist dies ein Katzensprung. Mit einer geschätzten Größe von einigen Dutzend Metern wäre Duende aber großenteils in der Erdatmosphäre verglüht und hatte kein Potenzial für eine Katastrophe.

Im Jahr 2029 wird der gut 300 Meter große Asteroid Apophis recht knapp die Erde passieren. Als gefährlichstes Himmelsobjekt gilt derzeit der fast 500 Meter große Asteroid Bennu. Im Jahr 2135 wird er in sicherem Abstand an der Erde vorbeifliegen. Noch unklar ist, wie stark die Schwerkraft der Erde Bennus Bahn verändern wird. Im schlimmsten Fall wird der Asteroid tatsächlich auf einen späteren Kollisionskurs gezogen. Die Wahrscheinlichkeit für diesen „Worst Case“ liegt nach heutigen Berechnungen bei 0,07 Prozent für die nächsten 200 Jahre…

Mission Asteroiden-Abwehr

Dennoch nehmen Wissenschaftler die (minimalen) Gefahren aus dem Weltall durchaus ernst. Deshalb schickte die US-Weltraumorganisation NASA eine Raumsonde zu Bennu, die den Asteroiden im Dezember 2018 erreichte. Nach einer ausführlichen Kartierung der Oberfläche soll 2020 sogar eine Materialprobe entnommen und zur Erde zurückgeschickt werden. Vielleicht bekommen wir dann ausreichende Informationen über Bennu, um einen Zusammenstoß gänzlich auszuschließen.

Wen es beruhigt: Für den Fall der Fälle arbeitet die NASA tatsächlich an einem Plan zur Asteroiden-Abwehr. Das Projekt „Hammer“ sieht vor, einen wirklich gefährlichen Himmelskörper mit zahlreichen Atomsprengköpfen zu beschießen. Zwar ist eine Zerstörung eines solch riesigen Objekts ausgeschlossen, doch glauben die Experten, dass sich die Bahn eines Asteroiden minimal verändern und so von der Erde ablenken ließe. Eine „sanftere“ Methode wäre es, eine Raumsonde auf Parallelflug zum Asteroiden zu schicken, um dessen Flugbahn zu verschieben. Eine solche Mission müsste allerdings Jahrzehnte im Voraus geplant und umgesetzt werden.

Tod aus dem Weltall? Wie gefährlich Meteoriten wirklich sind