Die elsässische Kleinstadt Ensisheim ist so etwas wie das Mekka der Meteoritenfreude. So wie die Kaaba das heilige Zentrum im islamischen Mekka darstellt, dreht sich in Ensisheim vieles um einen 1492 gefallenen Steinmeteoriten. Bemerkenswert ist insbesondere, dass von dem einst 127 Kilo schweren Meteoriten noch sehr viel Substanz erhalten ist – das größte Stück sogar in einem Ensisheimer Museum.

Neugier und Furcht

Im selben Jahr dieses Meteoritenfalls erreichte Christoph Kolumbus Amerika – ein Datum, das viele Historiker als Beginn der Neuzeit definieren. In Ensisheim dagegen, wie in vielen Teilen Europas, war vermutlich das „finstere“ Mittelalter noch kaum überwunden. Vom Himmel fallende Steine wurden eher als diabolisch verdächtigt und weniger als wissenschaftliches Forschungsobjekt betrachtet. Dennoch war die Ensisheimer Bevölkerung wohl bemerkenswert neugierig: Laut Überlieferung lösten viele Leute Erinnerungsstücke von dem Steinmeteoriten, bis ein Verbot erlassen wurde. So groß kann die Angst vor dem Teufel (mehr dazu hier) also gar nicht gewesen sein.

Ein gewöhnlicher Steinmeteorit

In späteren Zeiten, als die Wissenschaft Meteoriten als außerirdische Objekte akzeptiert hatte, wurde auch der Ensisheimer Stein näher untersucht und als häufig vorkommender Typ LL6 eingestuft. Er ist ein Chondrit, der wenig Eisen enthält und durch spätere Erhitzung relativ stark verändert wurde. Diese profane Erkenntnis mindert aber seine historische Bedeutung in keiner Weise.

Ein Muss für Meteoritenfans aus aller Welt ist die jährliche „Ensisheim Meteorite Show“. Jeden Sommer breiten dann Händler und Sammler ihre Schätze im Elsass aus und leisten dem denkwürdigen Fund von 1492 Gesellschaft.

Ensisheim (Frankreich)